Corona-konforme Kreativität : Dear Mrs. Chancellor

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Projekte. Wie eine harmlose Idee immer größer wurde.

Da war man kurz vor dem Ende eines Themas und plötzlich wurde die Schule geschlossen. An eine „normale“ Weiterarbeit war von einem Moment auf den anderen nicht mehr zu denken. Wir befanden uns im Thema „The USA today“ und hatten noch den Song „Dear Mr. President“ von P!nk vor uns, als der Unterricht endete. Wie also weitermachen?

Zuerst einmal klassisch: YouTube-Video und Text gesucht, eine Aufgabe in Moodle formuliert: Die Schüler sollten musikalische und sprachliche Stilmittel finden und ansatzweise deuten. Die Aufgabe wurde in den Moodle-Kurs gelegt und den Schülern kommuniziert. Ein paar Tage später trudelten die Antworten der Schüler über das Aufgaben-Modul ein und der Lehrer konnte direkt die Antworten bewerten.

So weit, so normal. Doch wie weiter? Idee: Der Song ist schon ziemlich alt und richtet sich an einen US-Präsidenten, den die Schüler nicht bewusst erlebt haben. Ihr Interesse an der US-Politik hält sich in schülerüblichen Grenzen, es ist also ein Transfer gefragt. Daher habe ich die Frage gestellt, welche Fragen sie aktuell unserer Bundeskanzlerin stellen wollen würden und habe die Schüler diese auf einem Padlet sammeln lassen. Der Link zum Padlet wurde wieder in Moodle zur Verfügung gestellt.

Der nächste Schritt war die Formulierung eines Songtextes. Hierfür kam die Nextcloud zum Einsatz: Ein zunächst leeres Word-Dokument wurde zur direkten Bearbeitung im Browser freigegeben. Hier entstand der erste Entwurf von „Dear Mrs. Chancellor“. Der Link zum Dokument: Wieder in Moodle.

Anschließend wurde die Feinarbeit am Text vorgenommen: Um möglichst viele Schüler zu beteiligen, aber gleichzeitig den bestehenden Text vor unbedachten Änderungen zu schützen, habe ich daraus ein PDF erstellt und dieses direkt in Moodle zur gemeinsamen Kommentierung freigegeben. Hier ergab sich der Feinschliff des Textes.

Parallel zur Feinarbeit am Text wurde die letzte Phase vorbereitet: Eine kurze Umfrage in Moodle diente zur Ermittlung möglicher Mitstreiter für eine Aufnahme des Songs. Eine Sängerin und ein Schüler, der mehrere Instrumente spielte und sich mit dem Schneiden von Audiodateien auskannte, wurden gefunden.

Der Schüler bereitete die Audiovorlage mit einer Rhythmusspur und dem Originalsong vor. Diese Vorlage wurde in einem separaten Ordner in der Nextcloud geteilt. Ich habe die Hauptgitarre und die Cajon eingespielt, bevor der Schüler den Bass und eine Begleitgitarre hinzugefügt hat. Nach der Abmischung der Instrumente hat die Schülerin den inzwischen fertigen Text eingesungen.

Für den Schüler mit Mischerfahrung begann nun die intensivste Phase dieses Projekts: In tagelanger Kleinarbeit wurde aus einem Wust von Audiospuren ein wirklich hörbares Lied.

Was zum Einsatz kam

Im Verlauf dieses Projekts kamen diverse Hilfsmittel zum Einsatz:

  • Moodle als zentrale Plattform, von der aus alle Aktivitäten und Links erreichbar waren. Innerhalb von Moodle wurden die Aktivitäten Aufgabe, gemeinsame PDF-Bearbeitung und die Umfrage verwendet.
  • WebUntis Messenger als Kommunikationsmedium
  • Audacity als Audioschnittsoftware
  • ein Padlet für die Ideensammlung
  • Nextcloud für den Dateiaustausch zwischen den Musikern und für die gemeinsam erstellte Word-Datei
  • Zwei Mischpulte, mehrere Mikrofone, Kopfhörer, zwei Gitarren, ein E-Bass, eine Cajon und eine überragende Gesangsstimme

Mein Fazit

Moodle hat sich meines Erachtens hier gut als Sammelbecken bewährt. Die anderen Tools konnten problemlos verlinkt werden und die Schüler wussten, wo die Reise losgeht.

Was ich beim nächsten Mal noch anders machen würde: Ab und zu eine persönliche Kommunikation per Videochat einstreuen, um auch für Rückfragen direkt bereit zu stehen. Für einen ersten Versuch ging es aber gut.

Da ich mich mit Rechten an Coversongs nicht auskenne, habe ich die Datei hier nicht verlinkt. Wer Interesse daran hat, schreibe mir einfach einen Kommentar rein.

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